Udo Lindenberg

Maler und Rockikone



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Wer ist Udo Lindenberg?

Wenn man bedenkt, dass Udo Lindenberg einer der bekanntesten Deutschen ist, scheint diese Frage zunächst überflüssig. Doch in seinem Leben gibt es so viele Höhepunkte und Hintergrundgeschichten, dass es noch genügend zu erzählen gibt. Wir sind uns sicher, dass die ein oder andere Anekdote dabei ist, die du noch nicht gekannt kennst.

Udo Lindenberg wurde am 17.05.1946 in Gronau geboren. Er fing bereits als kleines Kind an zu musizieren und nahm seine Trommel sogar mit ins Bett. „Ich habe die Trommel mit ins Bett genommen, die Trommel war etwas zum Kuscheln für mich, so wie andere den Teddy nehmen. Die Trommel war mein Ein und Alles.“. Mit fünfzehn hielt es Udo Lindenberg zu Hause nicht mehr aus und er begann in Düsseldorf eine Ausbildung zum Kellner. Sein Traum damals waren keine ausverkauften Arenen, sondern ein Leben als Kellner auf einem Kreuzfahrtschiff. „Mein Traum waren immer die Dicken Pötte.“ Kein Wunder, dass er zwischen 2010 und 2014 mehrere Auftritte auf Kreuzfahrtschiffen spielte. Aber alles der Reihe nach.

Die Ausbildung war nach knapp einem Jahr geschmissen und Udo Lindenberg versuchte sich, als Schlagzeuger einen Namen zu machen. So verschlug es ihn über Norddeutschland nach Frankreich und bald darauf nach Libyen, wo er als erst 17-Jähriger in den Clubs rund um einen US-Luftwaffenstützpunkt spielte. Besonders die Zeit in Libyen und die dort gesammelten Eindrücke haben ihn sehr geprägt. Da Talent vermeintlich allein nicht reicht, studierte die Nachtigall (nicht weit von uns) in Münster Musik, wo er einen seiner Weggefährten Steffi Stefan kennenlernte. Nach einigen Semestern brach er dieses Studium ohne Abschluss ab.  Die Bundeswehr machte auch vor Udo Lindenberg nicht halt und so musste der Panikpirat wie die meisten seiner Altersgenossen seinen Wehrdienst ableisten. Als Kanonier diente er in der Stadt Wesel.

Als er sich endlich wieder seiner musikalischen Karriere widmen konnte, machte sich Udo Lindenberg als Schlagzeuger im Tonstudio einen Namen. So wirkte er zum Beispiel bei der Aufnahme der Titelmusik des Tatorts mit. Nach diversen Band-Mitgliedschaften und den ersten eigenen Alben gelang 1973 der große Durchbruch mit dem Album „Alles klar auf der Andrea Doria“. Mit Titeln wie „Cello“ waren bereits Hits dabei, die heute noch im Radio laufen.

Udo Lindenberg war einer der ersten Rockmusiker mit deutschen Texten, sodass er schnell an Popularität gewann. Auf dem aufkommenden Erfolg ruhte er sich aber nicht aus und so erschien bis 1975 neben zwei Alben auch sein erstes Buch mit dem Titel „Albert Alptraum bis Votan Wahnwitz“.  Udo Lindenberg, der 1968 nach Hamburg zog, wohnte zu dieser Zeit zusammen mit Otto Waalkes und Marius Müller-Westernhagen in einer legendären WG in der Villa Kunterbunt.

Als wäre das Leben als Rockstar und Autor nicht genug, wagte sich der König von Scheißegalien im Jahr 1980 in ein völlig neues Metier. Er produzierte mit „Panische Zeiten“ einen eigenen Film, der mit Karl Dall, Hark Bohm, Eddi Constantine und sich selbst als Schauspieler sehr prominent besetzt war.

Doch wir kennen Udo Lindenberg nicht nur als Hansdampf in allen Gassen und Rockröhre, sondern auch als einen Menschen mit klarer politischer Kante. Dies wird in seinen Liedern regelmäßig deutlich. Die 80er-Jahre standen für den Deutschrocker zunehmend im Zeichen der DDR und so kommunizierte er im Jahr 1983 mit dem Lied „Sonderzug nach Pankow“ lauthals den Wunsch nach einem Auftritt in der DDR. Sein Wunsch sollte noch im selben Jahr erfüllt werden. Obwohl er nur fünfzehn Minuten vor ausgewählten Parteipublikum spielen durfte, war es dennoch ein enormer symbolischer Erfolg für alle freidenkenden Menschen dieser Zeit. Leider wurde die geplante Tournee im Jahr 1984 durch die DDR wieder abgesagt. Die legendäre Lederjacke, die 1987 an Erich Honecker verschenkt wurde, und die Gitarre mit der Botschaft „Gitarren statt Knarren“ sind heute im Museum ausgestellt. 

1986 verstarb überraschend Udo Lindenbergs langjährige Freundin und Sekretärin Gabi Blitz. Dieser schwere Verlust inspirierte ihn zu dem Lied „Horizont“, welches er ihr widmete. Allein die Passage „Wir waren wie Blitz und Donner“ bekommt unter diesem Hintergrund eine ganz neue Bedeutung.

Bücher, Filme, 23 Alben, Eierlikör und zahlreiche Auftritte hinterlassen Spuren und gehen auch an einem Udo Lindenberg nicht spurlos vorüber. 1989 erlitt er schließlich einen Herzinfarkt. Doch die Nachtigall wäre nicht die Nachtigall, wenn er sich dadurch aus der Bahn werfen ließe. Ein Jahr später konnte er endlich seine lang ersehnte Tournee durch die ehemalige DDR durchführen.

In den 90ern hat sich für Udo Lindenberg vieles verändert. Neben der Fotografin Tine Acke trat eine zweite Liebe in sein Leben ein: die Malerei. Andere denken nach, Udo Lindenberg denkt vor, daher verwundert es nicht, dass er mit seinen Likörellen gleich mal einen eigenen Kunststil schuf. Eine Reihe von namhaften Ausstellungen und prominenten Projekten haben nicht lange auf sich warten lassen. Die Legende besagt, dass die ersten Likörelle an der Hotelbar des Atlantic Hotels entstanden sind, in der Wahlhamburger seit Mitte der 90er-Jahre lebt.

Im Tonstudio wurde es ab 2002 etwas ruhiger um Udo Lindenberg, denn bis 2008 hat er kein weiteres Album herausgebracht. Eine Veröffentlichung in dieser Zeit wird dem Panikrocker aber weniger gefallen haben, da im Jahr 2004 eine Autobiografie zu ihm erschien. An dieser Stelle möchten wir jedoch nicht auf den Inhalt eingehen.

Es ist nie zu spät noch einmal durchzustarten, wird sich Udo Lindenberg gedacht haben und so kam er gleich mit einem Knall aus seiner mehrjährigen Schaffenspause zurück. Der Phönix aus der Flasche landete 2008 mit seinem Album „Stark wie zwei“ direkt sein erstes Nummer-1-Album in den deutschen Charts und wurde gleich siebenmal mit Gold ausgezeichnet. Der Lohn für diese Erfolgsgeschichte war unter anderem ein MTV Unplugged Konzert, an dem sich alte Weggefährten und internationale Stars beteiligten. Udo Lindenberg veröffentlichte 2016 mit „Stärker als die Zeit“ sein zweites Nummer-eins-Album.

Bei so viel Erfolg kann man bereits zu Lebzeiten in ein Museum gelangen. In der Dauerausstellung „Panik City“ auf der Reeperbahn können seit 2018 interessante Ausstellungsstücke zu Udo Lindenberg besichtigt werden. Man kann sogar eigene Likörelle auf einem der vielen Tablets malen. Im Jahr 2020 erschien die Filmbiografie „Lindenberg! Ich mach mein Ding“, welche interessante Einblicke in sein Leben bietet.

Udo Lindenberg und Apache 207 haben im Januar 2023 die Single „Komet“ veröffentlicht. Wer glaubt, dass er bis zu diesem Zeitpunkt alles erreicht hat, der irrt. Mit dieser Single erreichte der Panikpirat im Alter von 76 Jahren erstmals den Platz 1 der deutschen Singlecharts.

Udo Lindenberg hat nie den Blick für das Wesentliche verloren und ist weiterhin politisch und karitativ unterwegs. Er engagiert sich für die Afrikahilfe, den Kampf gegen den Neonazismus, UNICEF, Greenpeace und die Udo-Lindenberg-Stiftung. Die zahlreichen Auszeichnungen, die er für sein Schaffen erhalten hat (Echo, Bambi, Bundesverdienstkreuz, Ehrenbürgerschaft Hamburg), sind daher mehr als gerechtfertigt.